Bonn (medigrads) – Die im Jahr 2003 gegründete Zollunion des Golfkooperationsrates (GCC) ermöglicht über das sogenannte Single Entry Point System die Einfuhr und den uneingeschränkten Weitertransport von Waren innerhalb des GCC-Zollgebiets. Doch die jüngsten politischen Entwicklungen haben den Mitgliedstaat Katar wirtschaftlich isoliert. Exporteure, die Katar als Drehscheibe zur Distribution ihrer Exporte in weitere Märkte des GCC nutzten, haben jetzt ein Problem.
Die kommerzielle Einfuhr von Warensendungen in die Mitgliedstaaten des GCC erfordert in der Regel einen autorisierten - einheimischen - Handelsvertreter. Dieser vertretet das exportierende Unternehmen im Zielmarkt und befugt ihn, die Zollabfertigung der einzuführenden Waren vorzunehmen.
In der Vergangenheit verfügten viele deutsche Unternehmen über verschiedene Handelsvertreter in den jeweiligen Zielmärkten. Doch seit Umsetzung der Zollunion und der Einführung des Single Entry Point Systems, erfordert die Markterschließung des gesamten GCC-Marktes - theoretisch - nur noch einen Handelsvertreter, der sich auch für den Vertrieb in benachbarten Märkten verantwortet. Denn Waren, die beispielsweise in Katar eingeführt und zolltechnisch abgefertigt wurden, konnten (bis vergangenen Montag) uneingeschränkt und ohne wiederholter Zollinspektion nach Saudi-Arabien, die Vereinten Arabischen Emirate (VAE), Kuwait, Oman und Bahrain weiterbefördert werden.
Seit dem 5.6.2017 ist damit vorerst Schluss, denn Saudi-Arabien hat die diplomatischen Beziehungen mit Katar abgebrochen und seine Grenze zu Katar geschlossen. Bis auf die Ausnahme der Einfuhr von Lebensmitteln aus Saudi-Arabien ist der Warenverkehr komplett eingestellt.
Kurzum: Auch für den Weitertransport bestimmte Waren, die in Katar in den freien Verkehr überführt wurden – um beispielsweise nach Saudi-Arabien oder den VAE transportiert zu werden – sind von diesem Verbot betroffen.
Vor allem der Wegfall des Landtransports wird Katar zu schaffen machen, denn 50% der Güterverkehrs-und Logistikwirtschaft stützt sich auf Landtransporte aus und nach Saudi-Arabien. Geschätzte 800 LKW-Transporte überqueren (normalerweise) täglich den Grenzübergang nach Saudi-Arabien. So werden ca. 50% des Zements und 60% der Baumaterialien, über Land, aus Saudi-Arabien importiert. Und auch Waren, die zwar in Katar eingeführt, jedoch nicht für den katarischen Markt bestimmt sind, stecken seit Montag an den Grenzübergängen zu Saudi-Arabien und den Vereinten Arabischen Emiraten fest.
Wie genau mit diesen Transitgütern verfahren wird ist noch unklar. Für GCC-orientierte Unternehmen, die weiterhin mehrere Mitgliedstaaten beliefern möchten steht jedoch fest, dass sie auf Handelsvertreter in den anderen GCC-Mitgliedstaaten ausweichen müssen.
Trenddestination zur flächendeckenden Markterschließung sind nach wie vor die VAE, doch auch das Inselemirat Bahrain lockt mit einer liberalen Wirtschaftspolitik.
In der Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Bundesrepublik Deutschland, Germany Trade and Invest, war Medigrads Gründer Henry Malik El-Tamer als Manager mit der Länderzuständigkeit der Mitgliedstaaten des Golfkooperationsrates im Fachbereich Markterschließung tätig. Diese Erfahrung lehrte ihn, dass bestehende Kultur-und Kommunikationsbarrieren es vor allem kleinen und mittelständischen Unternehmen erschweren, ihr wahres Potential in arabischsprachigen Märkten auszuschöpfen. Mit dieser Erkenntnis und ihrer kulturellen Sensibilität steht Medigrads nun dieser Zielgruppe als regionaler Partner mit Rat und Tat zur Seite.
